Volle Lloyd Werft – winterlicher Andrang auf Docks und Kajen

Die Lloyd Werft Bremerhaven ist zum Jahresende voll ausgelastet – Kreuzliner und Spezialschiffe bis ins neue Jahr
“OIG Giant II”, „Black Watch“, „Patnos“, „Marco Polo“, „Albatros“, „Amadea“, „Minerva”. Der winterliche Andrang auf Docks und Kajen der Lloyd Werft Bremerhaven sorgt zum Jahresende für eine volle Auslastung der Werft. Es sind vor allem Kreuzliner, die zu Reparaturen, Wartungen und Umbauten die Werft anlaufen – alte Kunden, aber auch neue mit anspruchsvollen Umbauten wie auf dem Kreuzreiseschiff MS„Minerva“ oder dem Offshore-Dockschiff „OIG Giant II“. Lloyd Werft-Geschäftsführer Rüdiger Pallentin freut sich über die gute Auftragslage, die das Knowhow und die Erfahrung der Werft herausfordern zum Ende eines Jahres, das für die deutschen Werften schwierig war.
Rüdiger Pallentin: „Der deutsche Schiffbau kann leider die Aufschwungmeldungen anderer Wirtschaftsbereiche nicht teilen. Aufträge sind rar. Wir haben vor diesem Hintergrund 2011 auch genutzt, uns in wichtigen Unternehmensteilen neu aufzustellen, zu konzentrieren auf unsere Kernkompetenzen und gehen erwartungsvoll in das neue Jahr.“
Mit neuen starken und engagierten Gesellschaftern an ihrer Seite will die Geschäftsführung der Lloyd Werft vor allem noch globaler am Markt auftreten und hat dazu das weltweite Netz seiner Vertretungen teilweise neu aufgestellt. Zu dem Spektrum der zukunftsorientierten Aktivitäten gehört auch die Fortsetzung der werftinternen Modernisierung und die strategische Konzentration aller Bereiche auf das Zentrum der Lloyd Werft im Kaiserhafen.
Pallentin: „Wir sind ein Unternehmen, das auf 154 Jahre Erfahrung im Spezialschiffbau zurückblicken kann. Unsere Ausrichtung aber gilt der Zukunft, die wir mit der Kreativität, dem Wissen und der Termintreue angehen, die unsere Kunden weltweit von uns gewohnt sind und wofür der Name Lloyd Werft steht.“
Und wer auf den Belegungsplan für die drei Docks und Kajen sieht, weiß auch, dass Kreuzfahrt-Reedereien sich besonders wohl in den Händen der Bremerhavener Traditionswerft fühlen. Inzwischen wieder auf Fahrt ist ein Klassiker unter den Linern – die 1965 in Wismar gebaute „Marco Polo“ (22.080 BRT, 176, 28 Meter lang). Sie machte einen Technik-Stopp bei der Lloyd Werft zu einem Check der Wellenanlage.
Inzwischen ebenfalls wieder auf Kurs Seeurlaub ist die inzwischen 39 Jahre alte „Black Watch“ (28.613 BRT, 205,46 Meter lang) von Fred Olsen Cruises – ein Kunde, um den die Werft lange geworben hat. Reparatur, Wartung und Umbau standen für die einstige „Royal Viking Star“ an, die bei der Lloyd Werft 1984 verlängert worden war.
Nach dem Umbau der einstigen„Artemis“ von P & O zum neuen Phoenix-Flaggschiff „Artania“ im Mai 2011 hat die Bonner Reederei jetzt auch ihre beiden anderen Kreuzliner zur Lloyd Werft geschickt. „Rüdiger Pallentin: „Ich freue mich ganz besonders darüber, dass es uns offenbar gelungen ist, eine gute alte Kundenbeziehung wieder aufleben zu lassen.“ 17 Tage lang – vom 30. November bis 17. Dezember – liegt MS „Albatros“(28.518 BRT, 205,46 Meter lang) im Kaiserdock II der Werft und erhält zur Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs vor der traditionellen Weltreise einen neuen Wulstbug.
Die „Albatros“ ist der Lloyd Werft gut bekannt. 1983 wurde sie – damals noch als „Royal Viking Sea“ – um 28 Meter verlängert. Jetzt stehen bis zum 17. Dezember neben dem Einbau eines neuen Wulstbugs auch etliche Reparatur- und Wartungsarbeiten an.
Nur 14 Tage Zeit hat die Lloyd Werft vom 4. – 17. Dezember, um das zweite Phoenix-Kreuzfahrtschiff „Amadea“(28.856 BRT, 192,50 Meter lang) für ihre Weltreise vorzubereiten. Auf dem Arbeitsplan stehen Ein/Ausbau der Stabilisatoren in der Lloyd-Werkstatt, die Überholung der Wellenanlagen, sowie Stahl- und Farbarbeiten.
Deutlich aufwändiger sind die Arbeiten an Bord des 1996 bei T. Mariotti in Genua gebauten Kreuzliners„Minerva“ (12.449 BRT, 135,10 Meter lang). Die einstige „Alexander von Humboldt“, „Explorer II“ und „Saga Pearl“ kommt am 7. Dezember für 83 Tage zur Lloyd Werft und wird sich innen wie außen verändern, bevor sie am 27. Februar 2012 als Expeditionsschiff für den englischen Reiseveranstalter All Leisure ab Southampton wieder in Fahrt geht. Die Arctica Adventure Cruise & Shipping Ltd. will die „Minerva“ für den englischen Markt in eine neue Klasse führen und investiert dafür in mehr Komfort und Technik.
Um Treibstoff zu sparen, erhält die „Minerva“ im Kaiserdock I der Lloyd Werft eine neue Doppel-Wellenanlage samt Propellern. Die wird notwendig, um eine von Rolls Royce konzipierte Promas-Anlage einbauen zu können. Sie wird zwischen Doppelpropeller und Ruderblättern installiert und soll den Strömungsfluss unter Wasser optimieren. Außerdem erhält der für 382 Passagiere ausgelegte Expeditions-Kreuzliner für die Verbesserung der Manövrierfähigkeit in engen Gewässern eine neue Voith-Heckstrahl-Anlage. Neben allgemeinen Wartungs- und Reparaturarbeiten am Unterwasserschiff konzentriert sich die Werft aber auch um Veränderungen über der Wasserlinie.
Das 9. Deck der „Minerva“ wird vergrößert und erhält zusätzlich einen Decksaufbau aus Aluminium. Das 8. Deck wird zudem verbreitert bzw. modifiziert, um 20 Suiten vergrößern und mit einem Balkon ausstatten zu können. Das gilt auch für weitere 12 Kabinen, die ebenfalls einen Balkon erhalten. Achtern auf dem 8. Deck haben die Lloyd-Schiffbauer ebenso einige Arbeit: Das Deck wird verlängert und bietet mehr Platz für Passagiere.
Der Rest der Arbeiten gilt dem Komfort der künftigen „Minerva“-Passagiere: In 150 Standardkabinen werden die Nasszellen renoviert, auf dem 5. Deck weichen sechs Kabinen einem künftigen Beauty-Center mit Fitness-Bereich. Und auch eine Sauna an Bord wird ausgebaut, um in der beliebten „Shackelton-Bar“ noch mehr Platz zu schaffen.
Noch während dieser Umbauarbeiten macht ein gänzlich anderes „Schiff“ auf der Werft fest: Nach einer langen Seereise von Südkorea nach Bremerhaven erwartet die Lloyd Werft im Januar das erste für RWE gebaute Windkraft-Installationsschiff. Die „Victoria Mathias“ ist eine selbst fahrende 100 x 40 Meter große Offshore-Plattform, die bei der Lloyd Werft mit Installationen versehen wird, dass sie ihre Arbeiten im RWE-Windpark „Nordsee Ost“ bei Helgoland ausführen kann. Rüdiger Pallentin: „Das ist ein interessanter Auftrag, weil er einen Zukunftsbereich der Lloyd Werft betrifft.“In dieses Zukunftsprofil passt auch der Umbau des 2010 von der Lloyd Werft gebauten Schwerlast-Dockschiffs „Combi Dock IV“ (17.341 BRT, 162,30 Meter lang) für die Bremer Reederei Harren & Partner. Im September/Oktober ließ sie bei der Lloyd Werft ihren wenige Monate alten Neubau aufwändig umbauen zum Offshore-Unterstützungsschiff „OIG Giant II“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.